Sonntag, 6. November 2011

- Santiago de Chile -



Kurz vor elf chilenischer Zeit. Meine drei liebenswerten Chilenen haben das Frühstück bereitet und dann wurde im Takt gegessen, je nach dem wer gerade das Energiebündel Mila aka klein Frieda Kahlo unterhalten durfte. Zeit um die ersten Gedanken und Eindrücke zu sammeln.
Aber zurück zum Anfang.
Trotz umneschliche Frühe war Carola an meinem Ankunftsmorgen schon wach und die 10 monatige Mila sowieso. Zwei Tage höchster Gastfreundschaft liegen hinter mir, wobei der erste fast vom Zeitverschiebung - Flugmarathon geschluckt wurde. Ich muss sagen nach Asien fliegt es sich komfortabler aber als ich vorgestern vom Flughafen durch die Stadt zu meiner neuen Übergangsbleibe gefahren bin war es da. Das Gefühl der Neugierde und Faszination. Fremd und doch Bekannt.
Gestern ging er zu Ende der erste richtige Tag. Santiago liegt im Zentrum Chiles, in der Region Metropolitana. Eingekesselt von einem enormen Andenarchiv im Osten, der Grenze zu Argentinien und im Westen mit dem in zwei Stunden erreichbaren Meer. Ich komme nicht daran vorbei meinen neuen Ort zu vergleichen. Die Anden mit dem indischen Himalaya. Und auch der Verkehr lies mich an meine Zeit in Sri Lanka denken. Chile gehört zu den 1st Class Ländern in Südamerika aber hüte sich wer es wagt sich im Feierabendverkehr in einen Bus zu quetschen. Hier kannman zwar nicht Trittbrettfahrer spielen-wobei wer weiß -aber Hände, Füße, Köpfe und Augen sind trotzdem überall. Kein Wunder Santiagos Zentrum beherbergt 5,3 Mio. Menschen im Großraum sind es sogar 8,4. Und das verteilt sich auf gerade Mal fünf Metrolinien und eben die Busse.Willkommen im Feierabend Chaos.

Ansonsten überrascht die Stadt aber mit wenig Chaos und europäischer Gestalt. Seien es die Menschen, die Architektur oder die Sprachen, überall finden sich Indizien die Chile als Einwanderungsland ausweisen. Carola und Esteban sprechen beide deutsch, da sie deutsche Vorfahren haben und auf deutschen Schulen waren und erfreuen sich sehr daran in mir ihr Praxisopfer gefunden zu haben. Somit gibt es im Hause Hoehmann gerade eine Kauderwelsch aus "ich will spanisch -ich will deutsch" sprechen.
Die beiden wohnen in einer der beiden typischen Hausvarianten. Ein kleines Bungalow ähnliches Häuschen aus den 50ern im traditionellen Stil. Die andere Variante ist entweder kastenartig, hoch und aus Beton und aus den 80ern oder hoch, kastenartig und verglast. Beides hässlich. Eine sehr konträre Mischung.
Neben einem braunen Fluss ist die Stadt aber recht grün und bereichert das Stadtbild mit deutschen Topfpflanzen im XXL Format und exotischem Obst und Gemüse aus dem heimischen Garten. Da kommen doch glatt sri lankanische Heimatgefühle auf. Jedoch darft man nicht allem trauen und so stehen neben den wilden Garanien eigenartige Palmen, die sich bei längerem hinsehen als Funkmasten enttarnen. Das wäre undenkbar im Vergleichland.
Beim schlendern durch die Stadt fand ich mich immer wieder in Barcelona oder Lissabon. Das liegt sicherlich auch an den temperaturen-ich sag nur heiß -heiß - Baby! Leider verkraftet die Luft Santiagos gerade an heißen Tagen das hohe Verkehrsaufkommen kaum und so ist die Aussicht getrübt. Die besonders aufmerksamen Männer mit den ich schon in Portugal und Spanien Bekanntschaft machen durfte, lassen hier natürlich auch nicht auf sich warten. Jedoch überwiegt Freundlichkeit, Schönheit und Vielseitig das Bild. Europäische Gesichtszüge sogar Blonde und hell Augen sehen einem entgegen und nur vereinzelt überwiegen die indigenen Wurzeln. Kein Wunder schließlich macht die indigenen Bevölkerung nur noch 4,6% aus, der Rest sind Mestizen.
Es war ein guter erster Tag.

Und trotz aller Vergleich und Ähnlichkeiten- es fühlt sich neu an.

Und es fühlt sich gut an.






















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