Eine gute Woche ist vergangen. Viele Eindrücke finden sich zusammen -viele schöne, aber auch weniger schöne.
Die schönen werden von geselligen und warmherzigen Menschen bestimmt. Aber auch von bunten Häusern, saftigem Obst, Ausflügen in die Berge und der unwiderstehlichen Kraft des Neuen. Es ist als wäre man in Europa und dann auch wieder nicht. Man könnte auch sagen alles funktioniert überall auf der Welt gleich und trotzdem ist es anders.
Wie in Europa, lehnen sich auch hier die jungen Leute auf. Es ist speziell die Bildung, die eine Reform verlangt. Vielleicht ist euch schon bei meinen ersten geposteten Bildern, das Bild mit dem Gebäude und den vielen Plakaten mit der vermumten Satue im Fordergrund aufgefallen. Bei dem Gebäude handelt es sich um die älteste Universität von Chile, im Herzen Santiagos gelegen und Zentrum des Protests. Ihr Antlitz teilen hier fast alle Universitäten und öffentlichen Schulen. Plakate, verbarrikadierte Fenster und Türen und Stühle, die wie Spere aus den Schulen und deren Zäune ragen. Und drinnen: Matrazenlager von Schülern, Studenten und Organisationszentralen. Wöchentliche Demonstrationen runden die Präsenz in der Öffentlichkeit ab. Und bei diesen nehmen nicht nur eben genannte teil sondern auch Lehrer und Eltern. Der Protest erhält große Zustimmung in der Gesellschaft und hält sich nicht nur in Santiago sondern landesweit seit fast einem halben Jahr. Doch dir Fronten sind verhärtet- die konservative Regierung Chiles lenkt kaum ein und eine Lösung ist nicht in Sicht.
Doch worum geht es eigentlich? In Chile baut sich das Bildungssystem folgendermaßen auf: Wer genug Geld hat der schickt sein Kind auf eine Privatschule und wer es nicht hat der muss es auf eine öffentliche Schule schicken. Der Unterschied zwischen diesen beiden Systemen ist enorm. Das eine ist eine gute Ausbildung, das andere von Grund auf nicht ausreichend. Wer die entsprechenden Noten nicht aufweisen kann, wird nicht zur Uni zugelassen. Und das sind meist diejenigen, die von den öffentlichen Schule kommen.
Wer die erste Hürde genommen hat und zur Uni zugelassen wird, darf sich der nächsten stellen: der Finanzierung des Studiums.
Es fängt mit der Entscheidung des Studienganges an, denn die unterschiedlichen Studiengänge kosten unterschiedlich viel. So scheinen bestimmte Berufsgruppen nur denen vorbehalten zu sein die genügend zahlen können. Beispielsweise sind die teuersten Jura, Medizin und BWL: ca. 300.000 Pesos (ca. 440 Euro)...günstigere sind aber schon für 120.000 zu haben...pro Monat! Dazu kommen Verwaltungsgebühren und Kosten für Materialien und Co. Und das bei einem Durchschnittseinkommen von 400 Euro!
Daraus schließen kann man: Studieren kann nur, wer erstens die Hürde genommen hat zur Uni zugelassen zu werden und wer dann immernoch genügend Geld hat oder sich verschulden will.
Ziemlich viel Ungerechtigkeit und längst an der Zeit seiner Meinung Ausdruck zu verleihen. Ich hoffe sehr, dass das Durchhaltevermögen noch weiter vorhanden ist und es sich gegen Drohungen, wie der Aberkennung von Abschlüßen und Leistungen des letzten Semesters sowie dem Militär, welches mittlerweile zu fast jeder größeren Demo anrückt widersetzen kann.
Wer weiterlesen möchte:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,794381,00.html
http://www.taz.de/!78719/
Auch bei meinem Praktikum habe ich die Gelegenheit viele Meinungen zu hören und zu sammeln. Denn es ist nicht nur die Bildung die kein Geld hat. Auch die Kulturzentren, Kindergärten und andere soziale Einrichtungen. Dem Matucana 100 wurde die Hälfte des Etats gekürzt...Stellen mussten gestrichen werden und wichtige Posten sind nicht besetzt oder werden von Praktikanten ausgeführt. Daher übernahm ich in meiner ersten Woche die Arbeit des entlassenen Grafikers..schön für mich, aber...Die se einschränkungen dürfen darüberhinaus nicht an die Öffentlichkeit treten, da sonst weitere Kürzungen zu erwarten sind.
Da würde ich fast sagen: Schön lebts sich als Student der Kulturwissenschaft in Deutschland. Hier siehts anders aus.
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